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Über die drei Schritte des Loslassens — und warum der Schmetterling der ehrlichste Lehrer ist.
Stell dir vor, du hältst Nüsse in der Hand. Deine Finger sind geschlossen, deine Handfläche belegt. Solange du festhältst, ist deine Hand nicht frei — für nichts Neues, für keine Berührung, für kein Licht.
Genau dieses Bild begleitet mich, wenn ich über das Loslassen spreche. Nicht als abstraktes Konzept, sondern als körperliche Wahrheit: Von einem Zustand in den nächsten kommen. Die Hand öffnen.
Wir alle tragen einen Rucksack. Darin liegen Steine — aus der Kindheit, aus alten Beziehungen, aus Momenten, die wir nie wirklich verdaut haben. Nicht aufgearbeitete Glaubens- und Verhaltensmuster, die still und leise bestimmen, wie wir heute denken, entscheiden und uns fühlen. Du merkst es, wenn du dich wieder in einer Situation findest, die sich seltsam vertraut anfühlt. Wenn du wieder ja sagst, obwohl du nein meinst. Wenn du dich wieder kleiner machst, als du bist.
Loslassen bedeutet nicht vergessen. Es bedeutet nicht, so zu tun, als wäre nichts gewesen. Es bedeutet: Ich erkenne, was ich trage — und ich entscheide mich, es nicht weiter mitzunehmen.
Das Schwierige daran ist, dass viele dieser Steine schon so lange im Rucksack liegen, dass wir ihr Gewicht gar nicht mehr wahrnehmen. Sie gehören einfach dazu. Wir haben uns eingerichtet.
In der Sprache der Natur: Dunkle Gedanken sind wie Dornen oder Lianen, die dich festhalten. Schmerzhafte Erinnerungen wie Raubtiere, die immer wieder auftauchen. Alte Muster wie tiefe Gruben — du weißt, wo sie sind, und trotzdem fällst du manchmal hinein.
Loslassen passiert nicht von allein. Es braucht drei Schritte — in dieser Reihenfolge:
Welche Muster tauchen immer wieder auf? Welche Situationen fühlen sich vertraut-unangenehm an? Schau hin — ohne Urteil.
Du bist nicht dein Muster. Du bist nicht deine Vergangenheit. Du hast die Fähigkeit zur Veränderung — sie ist bereits in dir.
Bewusst, Schritt für Schritt. Erst kleine Dinge — dann größere. Die Hand öffnen und den Stein fallen lassen.
Erst nach diesen drei Schritten entsteht wirkliche Freiheit. Nicht vorher.
In meinem Buch „Ich und du — Wir hören dem Schmetterling zu" beschreibe ich die Metamorphose des Schmetterlings. Und der schwerste Teil dieser Reise ist nicht das Fliegen. Es ist der Kokon.
Denn dort drin findet die vollständige Umformung statt. Die Raupe gibt ihr altes Leben komplett auf. Sie hält nicht an einem Bein fest, an einem Flügelansatz, an dem, was sie kannte. Sie lässt sich vollständig los — und tritt in etwas Neues ein, das sie noch gar nicht sehen kann.
Und der Kokon? Er lässt den Schmetterling los. Er hält nicht fest, was bereit ist zu fliegen.
Das ist das Bild, das mich durch schwierige Momente trägt: Wenn ich loslasse, werden meine Hände frei. Für das, was jetzt kommen darf.
„Manchmal ist das Loslassen ein Akt von weitaus größerer Macht als das Verteidigen oder Festhalten."
— Eckhart Tolle
Visualisierungen sind mächtige Werkzeuge — weil sie den Körper einladen, nicht nur den Verstand. Hier sind zwei, die ich besonders schätze:
🎒
Der RucksackStell dir vor, du gehst einen Berg hinauf. Du nimmst die schweren Steine nacheinander aus deinem Rucksack und legst sie am Wegesrand ab. Spür, wie dein Schritt leichter wird — Stufe für Stufe.
🎈
Der HeißluftballonDu stehst in einem Ballon, der nicht aufsteigen kann. Schwere Steine halten ihn am Boden. Wirf sie einen nach dem anderen hinaus — und spür, wie du Stück für Stück höher steigst.
Fang mit kleinen Dingen an. Dem Satz, den du seit Jahren mit dir trägst. Der Entscheidung, die du täglich aufzuschieben versuchst. Dem Bild von dir selbst, das nicht mehr stimmt. Und dann geh zu den größeren.
Loslassen ist kein Versagen. Es ist eine Entscheidung für dich. Für das Leben, das dich erwartet, wenn du aufhörst, das alte festzuhalten.
Du bist nicht die Raupe, die sich im Kokon fragt, ob das der richtige Weg ist. Du bist bereits mitten in der Umformung. Vertrau dem Prozess. Öffne die Hand. Lass los.
Nächster Schritt
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Sadhvi Shanti
Dr. med. Shanti Puri
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